Der Fasching ist vorüber, am Aschermittwoch, dem Tag nach dem Kehraus, startet die Fastenzeit. Irgendwie ist diese Zeit voller seltsamer Widersprüche. Die sogenannte 40-tägige Vorbereitungszeit auf Ostern erstreckt sich von Aschermittwoch bis Ostersonntag streng genommen nämlich schon einmal auf tatsächliche 46 Tage. Wie kommt das? Und warum trinkt man in der Fastenzeit Starkbier?
Für die Kirche ist Sonntag ein Feiertag, an dem man sich zum gemeinsamen Mahl versammelt. Das ist sehr wichtig für die Gemeinschaft, und so wird die Fastenzeit kurzerhand an den Sonntagen unterbrochen. Sie werden also schlichtweg nicht mitgerechnet, und die 40 Tage Fastenzeit dauern deshalb eigentlich 46 Tage lang an.
Gerade genau diese Zeitspanne ist es deshalb, weil der biblischen Überlieferung nach Jesus vor seinem öffentlichen Erscheinen 40 Tage lang in der Wüste fastete. Christen sollen sich deshalb mit dem ebenso langen Fasten auf Ostern vorbereiten. In der katholischen Kirche ist außerdem auch die Bezeichnung „österliche Bußzeit” gebräuchlich.
Dass gerade Mönche Starkbier trinken, hat eine Jahrhunderte alte Geschichte. Ordensbrüder verzichteten in der Fastenzeit vollständig auf Fleisch, Eier und Milchprodukte und teilweise auch noch auf zahlreiche weitere Lebensmittel. Doch es galt dabei die Regel: „Flüssiges bricht das Fasten nicht”. Deshalb brauten kluge Mönche um diese Zeit das nahrhafte Starkbier, um gut durch diese Wochen zu kommen.
Besucher von Starkbierfesten sollten sich heutzutage aber bewusst sein: Die volksfestartigen Feste haben eher etwas mit mit Oktober- oder Volksfest als mit dem ursprünglichen Sinn des Starkbieres zu tun. Schließlich gibt's dort auch knusprige Schweinshaxen, Brathendl und -würstl: Von wegen fasten!
Für wirklich Gläubige hat die Fastenzeit auch heute nichts von ihrer althergebrachten Bedeutung eingebüßt. Viele andere, die mit christlichen Traditionen nichts mehr am Hut haben, nutzen diese Zeit dennoch, um aus unterschiedlichsten Motiven heraus sieben Wochen lang auf bestimmte Dinge zu verzichten. Dabei dreht es sich oft um gesunde Ernährung oder den Verzicht auf Alkohol. Den Medienkonsum einzuschränken - das ist dagegen eine äußerst moderne Variante des Fastens und kommt manch einen vermutlich deutlich härter an, als der Verzicht auf Süßes oder Fleisch...