05.04.2022 10:39

Grüne Suppe - eine altbairische Tradition

Sieht gut aus, schmeckt gut und tut noch viel besser: Die "Grüne Suppe" nach einem Rezept von Anita Himmer. (Foto: VA)
Sieht gut aus, schmeckt gut und tut noch viel besser: Die "Grüne Suppe" nach einem Rezept von Anita Himmer. (Foto: VA)

Am Gründonnerstag kam früher neben Spinat vielerorts auch die »Grüne Suppe« auf den Tisch. Das Kochen mit Kräutern ist also keine Erfindung der »Modernen Küche« mit ihren »Green Smoothies«, sondern stammt aus der Zeit, als man seine Vorräte nicht einfach bequem im Supermarkt kaufen konnte, sondern der Kampf um das »tägliche Brot« noch Teil der Lebenswirklichkeit vieler Menschen war.
Kräuterpädagogin Anita Himmer verrät mehr über den Hintergrund dieser Speise, warum sie so gesund ist und vielleicht sogar »Böse Mächte« fernhalten kann. »In der Zeit um Ostern waren früher oft schon die Vorräte knapp. Über den Winter waren die eingelagerten Lebensmittel aufgegessen worden oder hatten stark an Qualität verloren. Im Garten wächst aber zu dieser Zeit noch kein neues Gemüse oder Obst heran, das den Nährstoffbedarf deckt. Die Natur ist da aber schon eine ganze Ecke schneller«, erklärt die Kräuter-Spezialistin. Man kann nämlich auch aus Wildkräutern schmackhafte und vor allem gesunde Speisen herstellen. »Heute würde man dazu wohl Super-Food sagen«, lacht Anita Himmer.
Gemeint sind Kräuter wie beispielsweisse Brennnessel, Giersch, Scharbockskraut vor der Blüte, Schafgarbenblättchen, Vogelmiere oder Gundermann, Taubnesselblätter, Gänseblümchenrosetten, Wegerich, Löwenzahnblättchen und Bärlauch, um nur einige zu nennen. Diese Kräuter sind besonders mineralstoffreich, wirken blutreinigend, entschlackend und zellbildend. »Genau das, was man nach einem langen Winter braucht, um neue Kraft für das Frühjahr zu schöpfen«, weiß Anita Himmer. »Diese Suppe vitalisiert, entschlackt und weckt die Lebensgeister nach dem Winter und sollte deshalb bitte nicht nur einmal gekocht und gegessen werden«, lautet ihr Rat.
Nachdem die Wurzeln dieses Brauches weit über christliche Zeiten hinausgehen, ist auch ein wenig »Magie« mit im Spiel.
Zahlen waren in diesem Zusammenhang ein wichtiges Instrument. Der Zahl Drei und den Vielfachen davon wurden besondere Heil- und Schutzkräfte beigemessen. Deshalb sollten es für eine echte Grüne Suppe 3x3, also neun Kräuter sein. Allerdings ist beim Wildkräutersammeln unbedingt Vorsicht angebracht. »Wir haben zwar keine giftigen Tiere in Deutschland, wohl aber einige sehr giftige Pflanzen«, mahnt Anita Himmer. Wer sich nicht ganz sicher ist, sollte lieber die Finger vom Kräutersammeln lassen oder vorher einen Kurs besuchen.