Auf den Spuren des frühmittelalterlichen Neufahrn

Bestattungen innerhalb der mittelalterlichen Siedlung. (Foto: B. Grün)
Bestattungen innerhalb der mittelalterlichen Siedlung. (Foto: B. Grün)
Bestattungen innerhalb der mittelalterlichen Siedlung. (Foto: B. Grün)
Bestattungen innerhalb der mittelalterlichen Siedlung. (Foto: B. Grün)
Bestattungen innerhalb der mittelalterlichen Siedlung. (Foto: B. Grün)

Landrat Helmut Petz und Bürgermeister Franz Heilmeier begaben sich kürzlich auf die Spuren des alten Neufahrn: Archäologen waren westlich der Pfarrkirche Hl. Geist und St. Wilgefortis am ehemaligen Pfarrhof auf eine frühmittelalterliche Siedlung gestoßen. Aufgedeckt wurden ein größeres Langhaus sowie Reste von zwölf Grubenhäusern, Brunnen und mehreren Bestattungen.
Landrat Petz und Bürgermeister Heilmeier ließen sich die Grabungsergebnisse zeigen. "Archäologie begeistert mich. Wenige Zentimeter unter der Oberfläche entdecken wir verborgene Welten, die uns unsere kulturellen Wurzeln vor Augen führen", sagte der Landrat. Kreisarchäologin Delia Hurka und die Grabungsleiter Sikko Neupert, Bernhard Grün und Bianca Grün führten die interessierten Politiker und den Vorsitzenden des Heimat- und Geschichtsvereins Neufahrn, Ernest Lang, über die Fläche.
Zu sehen sind die Pfostengruben eines größeren Langhauses sowie zwölf Grubenhäuser. Diese wurden teilweise in den Boden eingetieft, so dass man erst ein paar Stufen bis zum Fußboden hinabsteigen musste. Im so kühleren Raumklima konnten Vorräte besser gelagert werden. Auch Schlackenreste als Zeugen der Metallverarbeitung wurden sichergestellt. Es war also sowohl eine Wohn-, wie eine Handwerkssiedlung.
Ebenfalls gefunden wurden drei beigabenlose, west-ost-ausgerichtete Bestattungen, eine Frau und zwei Männer, die mitten im Siedlungsbereich beigesetzt worden waren. Erst im weiteren Mittelalter verlagerten sich Friedhöfe hin zu den Ortskirchen. Bemerkenswert ist die Lage zweier Verstorbener, deren Kopf und Füße deutlich höher lagen als der mittlere Körperbereich. Vielleicht wurden sie auf einem Totenbrett beigesetzt und rutschten nach dessen Verrotten in darunterliegendes Erdreich nach.
Besonders interessierten sich Petz und Heilmeier für eine vierte Bestattung eines ca. 20- bis 30-jährigen Mannes, die während ihres Besuchs zwischen den frühmittelalterlichen Häusern aufgedeckt wurde. Einige Funde, wie eine eiserne Gürtelschnalle, wurden in die Restaurierungswerkstätten des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege gebracht. Die gefundenen Siedlungsspuren gehörten sicher zum Kern des im Jahr 804 erstmals genannten Neufahrn ("Niwiwara"), aus dem sich die heutige Gemeinde entwickelte.

Unterdessen wurde auch in Moosburg auf dem Plan erneut ein Skelett gefunden, wp Bauarbeiten zur Erneuerung der Wasserleitung laufen. Archäologen dokumentierten Reste von zwei Öfen und eine spätmittelalterliche Grube. Auch hier kam im Schacht ein Skelett zu Tage. Die Grabgrube lag fast vollständig in der Flucht des Leitungsgrabens, und so konnte das Skelett im Ganzen geborgen werden. "Die Knochen sind sehr gut erhalten. Sogar Kniescheibe, Brustbein und Schulterblätter sind noch da, das kommt sehr selten vor", sagte Grabungsleiterin Bianca Grün. Im Schulterbereich fanden die Archäologen ein kleines Bronzefragment noch unbekannter Funktion. "Es handelt sich vermutlich um einen jungen Menschen, etwa aus dem 16. Jahrhundert."
Überraschend war der Fund nicht, da sich schon 2018 hier ähnliche Befunde zeigten. Viele Strukturen ließen sich mit Umbauphasen der Pfarrkirche Anfang des 13. Jahrhunderts und dem Ausbau im Spätmittelalter zusammenbringen. "Wir erwarten während des Wasserleitungsbaus noch weitere Spuren aus der Moosburger Vergangenheit", sagt Kreisarchäologin Hurka.
Die Entdeckung und Dokumentation der Bestattung ist der baubegleitenden, archäologischen Untersuchung zu verdanken. Im Akkord werden Funde freigelegt, dokumentiert und sachgerecht geborgen. Die Zusammenarbeit zwischen Baggeraushub, archäologischer Dokumentation, Bergung, Verlegung der Wasserleitung, Verfüllung und Verschluss des Schachtes läuft dabei wie am Fließband.

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