Der bundesweit stattfindende Zukunftstag sollte Schülerinnen und Schülern die Chance bieten , Berufe und Studienfelder kennenzulernen, die sie sonst noch selten für sich in Betracht ziehen. Denn nach wie vor gilt: Junge Erwachsene entscheiden sich häufig für Berufe oder Studienfächer, die den gängigen Rollenvorstellungen entsprechen. Genau um diese Klischees im Berufsleben aufzubrechen und den Horizont zu erweitern, gibt es diesen Aktionstag. Junge Frauen und Männer sollten sich bei der Wahl ihres Berufs nicht von Urteilen wie „typisch Frau“ oder „typisch Mann“ leiten lassen, sondern sich nach ihren persönlichen Interessen und Begabungen entscheiden.
Während klassische juristische Berufe wie Richter oder Staatsanwälte weithin bekannt sind, bleibt vielen verborgen, wie breit das Tätigkeitsspektrum an einem Amtsgericht tatsächlich ist. Die Gewinnung leistungsstarken und motivierten Nachwuchses über alle Qualifikationsebenen hinweg stellt auch die Justiz vor besondere Herausforderungen. Die bayerische Justiz hat mit „Ich mach Gerechtigkeit“ eine eigene Nachwuchskampagne aufgelegt, die bereits auf der Ebene der Schulen ansetzt. Das Projekt „Boys’ Day – Jungen-Zukunftstag“ gibt Jungen die Möglichkeit, Berufe kennenzulernen, in denen Männer unterrepräsentiert sind.
So sind z.B. von den 25 Richtern des Amtsgerichts Erding 15 weiblich, von den 19 im gehobenen Dienst Beschäftigten, 13. Im mittleren Dienst sind 47 der 53 Beschäftigten weiblich, bei den Angestellten 21 von 22 Beschäftigten.
Der Boys’ Day ist deswegen eine Gelegenheit für Jungen, die Vielfalt der Justizberufe zu entdecken und neue berufliche Perspektiven zu entwickeln. „Wir möchten zeigen, dass die Justiz weit mehr bietet als die bekannten klassischen Rollen – und dabei echte Einblicke in unseren Arbeitsalltag ermöglichen“, so Direktor Aksel Kramer bei der Begrüßung.
Die acht Teilnehmer zwischen 13 und 16 Jahren erhielten exklusive Einblicke in zentrale Arbeitsbereiche des Amtsgerichts Erding. Dabei sollte deutlich werden, wie vielfältig und verantwortungsvoll die Aufgaben der Justizmitarbeiter sind. Vor Ort informierten nach einem gemeinsamen Frühstück erfahrene Fachkräfte (Wachtmeister, Gerichtsvollzieher, Justizsekretäre, Rechtspfleger und Richter) sowohl über das duale Studium, Ausbildungsinhalte und persönliche Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb der Justiz als auch aus ihrer täglichen Praxis. Im Anschluss erfolgte eine Führung durchs Haus sowie der Besuch einer Strafsitzung.
All diese vorgestellten unterschiedlichen Karrierewege bieten nicht nur sichere Perspektiven im öffentlichen Dienst, sondern auch anspruchsvolle Tätigkeiten mit gesellschaftlicher Relevanz.